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Jun 12

Frauen und Gaming und Ubisoft

Das Desaster, das sich Ubisoft auf der E3 geleistet hat, dürfte inzwischen fast jeder Gamer mitbekommen haben. Ihre Aussage, dass die Entwicklung eines weiblichen Charakters für ihr neues Spiel Assassins Creed Unity zu viel Arbeit gewesen wäre, hat in den letzten Tagen viel und harsche Kritik hervorgerufen. Angesichts dessen, dass zehn Studios an ACU arbeiten, klingt das wie eine billige Ausrede. Dass der ehemalige AC-Designer John Cooper auf Twitter hinzufügt, dass seiner professionellen Meinung nach das Ganze nur mehr ein oder zwei Tage gebraucht hätte, unterstützt diesen Eindruck nur noch mehr.

Auch der heutige Versuch, die Ganze Sache von Seiten Ubisoft zu entschärfen, ging eher nach hinten los. So sagt Ubisoft’s creative director, Alex Amancio, in einem Interview mit Polygon:

It’s double the animations, it’s double the voices, all that stuff and double the visual assets,“ Amancio said. „Especially because we have customizable assassins. It was really a lot of extra production work.“

„Because of that, the common denominator was [main character] Arno,“ Amancio said. „It’s not like we could cut our main character, so the only logical option, the only option we had, was to cut the female avatar.“

Weibliche Charaktere sind also optional. Ein Feature. Ein Extra. Ein Sonderfall, nicht die Norm.

Diese Betrachtung und Denkweise sind nach wie vor vorherrschend in den meisten Medien: Männer sind die Norm, Frauen sind maximal ein netter Zusatz. Dieses Problem besteht natürlich nicht nur der Gaming Industrie, doch dort wird es so deutlich wie kaum sonst: nicht nur, dass die fast 50% weiblichen Spielerinnen ignoriert werden, bei den Entwicklern sieht es noch schlimmer aus: nur 12% aller Game Developer sind weiblich.

Dabei gibt es keinerlei nachvollziehbaren Grund, weibliche Charaktere und weibliche Spieler derart zu vernachlässigen. Nicht nur, dass laut ESA für USA in dieser Erhebung von 2013 48% der Gamer Frauen sind und 50% der Käufer (für Deutschland sind es laut dem GOMM 39%), diese Zahlen steigen auch von Jahr zu Jahr. Sicherlich gibt es Unterschiede je Genre, doch auch diese Unterschiede schwinden langsam und kippen teilweise sogar ins Gegenteil – der Anteil der SWTOR-Spielerinnen liegt bei inzwischen 57%.

Aber selbst wenn es so ist, dass einige Spiele deutlich mehr von Männern gespielt werden, macht die Vernachlässigung von Frauen, weiblichen Charakteren etc. überhaupt keinen Sinn. Nehmen wir mal an, dass 80% der weiblichen Gamer nicht Assassins Creed (als Beispiel) spielen. Aus wirtschaftlicher Sicht ist es dann kompletter Blödsinn, sich auf die überwiegend männlichen Spieler, die man eh schon hat, zu konzentrieren, denn man verpasst damit die Chance, diese 80% Frauen abzuholen und zu Spielern und damit zu Käufern zu machen. (Mal abgesehen davon, dass es auch sehr viele männliche Spieler gibt, die weibliche Charaktere spielen.) Es gibt, außer sexistischen Motiven, keinerlei Grund, weibliche Charaktere zu vernachlässigen.

Und dass Spiele mit weiblichen Protagonistinnen auch für Männer funktionieren, sieht man ja auch an Spielen wie Tomb Raider – oder AC Black Flag DLC.

Wann werden die großen Studios endlich den Mumm haben, Diversität nicht nur als „verschiedene Männer“ zu begreifen, sondern wirklich als Darstellung von Männern UND Frauen in verschiedenen Hautfarben?

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