«

»

Feb 18

Aktuelles: Die #aufschrei-Diskussion

Nachdem Ende Januar die Journalistin Laura Himmelreich über den Spruch des FDP-Politikers Brüderle berichtete („Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“), den dieser ihr gegenüber während eines Interviews fallen ließ, ist deutschlandweit (oder, wohl eher zutreffend: internetdeutschlandweit) eine Sexismus-Debatte entstanden. Unter dem Hashtag #aufschrei berichteten Tausende von Twitterusern über sexistisches Verhalten und sexuelle Belästigungen. Innerhalb kürzester Zeit kamen 60.000 Tweets zusammen. Am 26.01.2013 wurde die Homepage www.alltagssexismus.de ins Leben gerufen, die sich seitdem täglich mit neuen Beiträgen füllt. Es ist viel geschrieben und diskutiert worden und ich will mit diesem Beitrag nun auch das Rad nicht neu erfinden. Aber die aktuelle Diskussion betrifft ein Thema, dass uns am Herzen liegt. Nicht umsonst versuchen wir die von uns diskutierten Themen immer auch unter dem Gesichtspunkt des Frauenbildes zu betrachten. Daher soll dieser Artikel wenigstens die Sexismus-Debatte ein wenig beleuchten und zu den vielen anderen Artikeln führen, in denen schon viel Richtiges und Wichtiges gesagt wurde.

Also, es folgt eine Sammlung von Blogartikeln (wenn ihr selber noch lesenswerte Beiträge zu dem Thema kennt, kommentiert gern, ich werde sie dann mit aufnehmen):

Antje Schrupp: 1. Wie Lappalien relevant werden, 2. Wibke Bruhns und die Veränderung, die sie verpasst
Kaltmamsell: 1. Es geht nicht um mich, 2. Confession Time, 3. Nur im Web geht’s voran
Dr. Mutti: Mein später Aufschrei
A. Stefanowitsch: Sagt ihnen nicht, dass sie sich hätten wehren sollen
Malte Welding: Männer, gebt die Herrschaft auf!
Sybille Hamann: Zwitscherfeminismus, yeah
jawl: Es sind die anderen (Ja?)
Wolfgang Lünebürger-Reidenbach: Derailing und die Lämmerfrage
Meike Lobo: Das Schreien der Lämmer (vieldiskutierter Artikel, auf den auch viele der anderen Posts Bezug nehmen)
Sibylle Berg: Frauen, wehrt euch (ein ebenfalls ziemlich umstrittener Artikel)
Siegstyle: Brüderle im Geiste
Hanhaiwen: Wogegen ich mich wehre? „Wehrt euch“
Natalie Springhart: Aufschrei-Argumente
Das Nuf: Keine Lösungen, aber viele Fragen
Journelle: Danke
BerlinMitteMom: Twitter Hashtag, Sexismus-Debatte und und die Frage nach den Töchtern
Phaedra Starling: Schrödinger’s Rapist (englisch und schon älter als die Debatte)

Viele dieser Artikel beinhalten noch weitere Links und es gibt wohl noch viele, viele weitere Beiträge zu dem Thema. Aber ich denke, dass die obigen Posts erstmal reichen, um einen Eindruck der Diskussion zu gewinnen.

Ich selber finde es zwar sehr gut, dass die Debatte geführt wird, habe aber den Eindruck, dass sie noch nicht an den entscheidenden Stellen angekommen ist. Ja, das ganze Internet beschäftigt sich damit. Nun ist aber leider die deutsche Internetcommunity nicht die deutsche Bevölkerung. Es dürfte viele Leute geben, die die aktuelle Diskussion nur aus den Nachrichten und vielleicht den Politfernsehsendungen kennen und die vielen Blogartikel und Twitterposts nicht kennen (weil sie vermutlich gar nicht wissen, was dieses komische Twitter überhaupt ist).

Der zweite Punkt ist, dass die Debatte deswegen etwas unglücklich läuft, weil es halt eigentlich nicht wirklich eine Debatte ist. Klar, es gibt Leute, die alles überzogen finden und manche der Beiträge auf alltagssexismus.de für albern halten. Aber generell ist man sich einig, dass Sexismus und sexuelle Belästigung scheiße sind. Das ist schön, aber noch kein Grundstein dafür, dass sich auch mal wirklich etwas ändern. Natürlich kann man die Gesellschaft nicht von heute auf morgen umerziehen, aber es gäbe durchaus Dinge, die man ändern könnte. Zum Beispiel gibt es in den USA ein sehr viel rigoroseres Durchgreifen bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz, so dass dort meist der Täter aus der Firma fliegt und nicht wie hierzulande eher noch das Opfer seinen Job verliert. Das wäre so ein Punkt, wo auch tatsächlich in kurzer Zeit etwas erreicht werden könnte, mit Änderung der Firmenpolitik, Schulungen, etc. Aber diejenigen, die die Macht dazu hätten, also die Gewerkschaften und Firmenvorstände, halten sich aus der Diskussion fein raus.

Ich hoffe einfach mal, dass die Debatte nun nicht versanden und in ein paar Monaten nur noch als Internetphänomen bekannt sein wird. Dazu ist das Thema einfach zu wichtig.

 

2 Kommentare

1 Ping

  1. Wolf

    Danke für die Linksammlung.
    Und leider ist das ganze doch versandet… vom #aufschrei blieb sehr schnell nurnoch „die bösen #femtrolle“ übrig. Also „alles männerhassende hässliche Lesben“ wiedermal…

    1. Julie

      Aber gern 🙂 Schön zu sehen, dass es noch gelesen wird! Ja, die Versandungsproblematik ist ja aber ein generelles Problem – bzw. die Sexismus/Feminismusdebatte, die in diese Antihaltung rüberkippt. Siehe die aktuellen Attacken gegen Emma Watson aufgrund ihrer großartigen Rede bei der UN.

  1. #aufschrei – ausführliche Linksammlung | kinkyriot

    […] Aktuelles: Die #aufschrei-Diskussion […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>